Donnerstag, 26. Februar 2009 

kleine Schritte

Im tiefen Zweifel
schlummern tausend
neue Möglichkeiten,
im Meer der Tränen
schwimmt ein
erstes kleines Lächeln.

In jedem kalten
Winter wartet schon
ein zarter Frühlingsgruß,
und jede dunkle Nacht
trägt in sich schon
das erste Licht des Tages.

In jedem Zögern
wartet vielleicht
der erste Schritt,
am Grund der
Schwermut liegen
federleichte Flügel.

Mit der Zeit lernen wir,
mit unserem Schmerz zu leben ...

Freitag, 16. Januar 2009 

Ein Licht für Kadelen


Das Leben hört nicht auf ...
es fliegt nur davon in eine andere Welt.


Gedanklich zünde ich hier eine Kerze für diese kleine Maus an , meine Gedanken sind bei den Eltern und ich wünsche Ihnen viel Kraft, um den grausamen Tod ihrer Tochter Kadelen zu überleben, zu verarbeiten um irgendwann den Weg ins Leben zurückzufinden ....

Donnerstag, 8. Januar 2009 

Schmetterling-Eis















Als gestern wieder die Tränen liefen
spürte ich zum ersten Mal
dass vielleicht mehr dahinter steckte -
mehr hinter der Trauer,
mehr hinter der Angst,
mehr hinter der Sehnsucht

Da war ein kleiner
Schmetterling,
der sanft durch meinen
Körper sauste - meine Seele berührte ...
mir Trost gab

Irgendwann dann schlief ich
trotz der vielen Tränen und der Trauer,
der Angst, der Sehnsucht ...
"Mami, ich bin doch da"
hast du noch gesagt

Und nun friert er so sehr
Als wäre er ganz allein -
er zittert ...

der Schmetterling im Eis
meiner Seele gefangen


Ich hatte geglaubt schlafen gehen zu können
... und doch weiß ich es ist besser wach zu bleiben

Ich hatte gehofft diese Jahr freier atmen zu können
... und weiß doch, es schnürt mir ewig die Kehle zu.

Ich bin manchmal so weit entfernt von dem Ort,
wo du vor 3 Jahren aufgehört hast zu atmen

Ich kann heute nicht zu dir gehen und deinen Stein berühren,
dir keine Rose bringen, keine Muschel vom Strand.
Ich werde durch den Schneesturm laufen,
zum Strassenkreuz
... dich neben mir spüren, deinen Namen auf dem Kreuz lesen.
Hinausschreien werde ich deinen Namen,
verlass dich darauf SIMON.

Ich habe eine unendliche Sehnsucht nach dir
mein Sonnenschein

(c) Claudia Staemmler 2009

Mittwoch, 17. Dezember 2008 

Nur eine Hülle




















Alles ist düster

dunkel
und es ist kein Licht zu sehen
einfach schwarz

Alles ist ruhig
still
und es ist nichts zu hören
kein Geräusch

Alles ist kalt
frostig
und es ist keine Wärme zu spüren
eisig

Alles in mir ist leer
ohne Inhalt
nach außen alles normal
innen? Nichts, keine Regung!

kein Empfinden
kein Berühren
keine Kraft
keine Richtung ...
Nur eine Hülle

Alles in mir ist schwerelos
orientierungslos
einsam, allein gelassen
in die Ecke getrieben

wortlos
kraftlos
unbeachtet
sorglos?
jedenfalls - Nur eine Hülle!

 

Hab ich mich verändert ?

"Hast du dich verändert?" ... habe ich das?
Das Leiden der Welt hat sich eine Spur tiefer in mich hineingegraben. Nie zuvor wusste ich, das Kummer so sein kann. Das Leiden eines jeden Menschen hat seine eigenen Qualität - und mir ist jetzt mehr Leiden zugänglich.
Noch imnmer weiß ich es nicht so ganz, wie es einer dieser Mütter geht, die man auf Misereorplakaten sieht, eine Dose mit Suppe in der Hand, ein aufgedunsenes Kind neben sich, für ihre bloße Existenz bis zum Äußersten abhänig von der Großmütigkeit anderer.
Noch immer weiß ich nicht ganz, wie es ist zu einem Volk zu gehören, dessen ganze nationale Existent Angriffen ausgesetzt ist ... ein Verfolgter zu sein.
Doch weiß ich davon jetzt mehr, es erreicht mich ... es bedrückt mich ...
Und ich weiß jetzt etwas über die Hilfslosigkeit- darüber was zu tun ist, wenn man nichts tun kann.
Ich habe gelernt damit zu leben.
Der Tod erschüttert unsere Illusion, das wir ohne Kampf über die Runden kommen. Und es nichts gibt, womit wir ihn besiegen. Den Tod kann nur Gott besiegen.
Ja, ich habe mich verändert. Zweifellos. Zum Besseren.
Aber ohne auch nur einen Augenblick zu zögern, würde ich diese Veränderung dagegen eintauschen Simon zurückzubekommen.

Der Glaube ist eine Brücke, von der du nicht weißt, ob sie dich über den Abgrund trägt, bis du dich gezwungen siehst auf ihr zu gehen. Dort stehe ich nun mitten über dem Abgrund und prüfend blicke ich die Brücke an.
Täusche ich mich, wenn ich glaube, dass die Frage, die die Wunden der Welt hinausschreit, in Gott eine Antwort finden?
Täusche ich mich, wenn ich glaube, dass ich eines Tages die Antwort wissen werde?
Täusche ich mich, wenn ich glaube, dass, wenn ich die Antwort weiß, ich erkennen werde, dass die Liebe gesiegt hat?

Jetzt sehen wir in einen dunklen Spiegel ein dunkles Bild. Dann aber von Angesicht zu Angesicht.

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Montag, 27. Oktober 2008 

Realität

Die Lücke, die Simons
Tod hinterlassen hat, die ganze Zeit in mir ist.

Manchmal ist sie so real,
dass ich sie beinahe anfassen kann.
Manchmal wird sie so groß,
dass ich nicht anderes sehen
kann.

(c) 2008 claudia staemmler

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Samstag, 25. Oktober 2008 

25.10.2008 - 3 Jahre

3 Jahre – 1069 Tage

In diesem Jahr habe ich mich oft gefragt, was mich diese lange Zeit hat überleben lassen. Vor Deinem Tod habe ich immer gedacht, dass ich den Tod eines meiner Kinder nicht überleben werde, aber es gibt mich noch. Wie viel ein Mensch ertragen kann, haben mir diese 3 Jahre gezeigt. Geschafft habe ich diese Zeit nur mit der Liebe, die ich tief in mir habe für Dich, meine kleine Familie und die Menschen, die noch an meiner Seite sind.
Menschen, die immer für mich, für uns da waren, die mir Liebe, Wärme, Geborgenheit, Zuspruch und Hoffnung gegeben haben, wenn ich mal wieder nicht weiterwusste.

Menschen, die mich ausgehalten haben, egal wie schwierig ich auch geworden bin.
Menschen die einem keinen ungerechten Vorwurf aus Kleinigkeiten stricken, wie ein angeblich vergessener Anruf oder ein ungepflegtes Strassenkreuz.

Das Verschweigen von Simon, meiner Trauer und meinem jetzigen Leben macht die Beziehungen zu anderen sehr schwer. Versteht doch … mein totes Kind gehört immer noch mir und es kostet mich wahnsinnige Kraft dieses Leben nun so zu leben. Wird dieser Teil meiner Person ignoriert, so bleibt eben ein Loch, dass die ganze Beziehung löchrig macht. Wie würden diese Menschen sich fühlen, wenn ich mir ihre freudigen Ereignisse nicht anhören wollte, schnell das Thema wechseln würde oder alles totschweige?

Und an manchen Tagen war es eine kleine Mail oder nur eine liebe SMS, die mir geholfen haben, den Tag zu überstehen.



Ein Elefant ist im Raum.

Breit sitzt er da und es ist schwierig, um ihn herumzukommen.

Und doch quetschen wir uns vorbei, sagen „Wie geht`s ?“

Und „Mir geht`s gut“.

Und viele andere Floskeln und Geschwätz.

Wir reden über das Wetter. Wir reden über die Arbeit.


Außer – über den Elefanten im Raum.


Ein Elefant ist im Raum.

Wir alle wissen, dass er da ist.

Wir denken an den Elefanten, während wir miteinander reden.

Wir denken ständig an ihn.

Er ist nämlich ziemlich groß.

Er tut uns allen weh.

Aber wir sprechen nicht über den Elefanten im Raum.


Bitte, sagt seinen Namen.

Bitte, sagt noch einmal „S I M O N“.

Bitte, lasst uns über seinen Tod reden,

dann können wir vielleicht auch über sein Leben reden.


Kann ich den Namen „Simon“ in eurer Gegenwart sagen, ohne wegschauen zu müssen?

Denn wenn ich das nicht kann, dann lasst ihr mich


Allein ...

In einem Raum ...

mit einem Elefanten.


Noch immer bin ich auf der Suche nach einem lebbaren Leben und auch das wird wohl den Rest unseres Lebens so bleiben. Manchmal hat man gute Zeiten, Zeiten zum Durchatmen und Krafttanken. Dann liegt wieder ein schier unüberwindbarer Felsbrocken auf dem Weg und von denen gab es im Jahr 3 jede Menge.
So leicht wäre es einfach aufzugeben, weil man keine Kraft mehr hat, als sich immer wieder aufs neue aufzumachen, einen anderen Weg zu (ver)suchen.


Das Heute

stellt nicht die Frage,

gehst Du falsch

oder richtig?

Das Heute

stellt die Frage,

gehst Du?

Denn ...

Das Morgen kann nur blühen,

wenn es im Gestern wurzelt

und im HEUTE wächst.


Nichts ist schlimmer, als auf der Stelle zu verharren. Dort ändert sich nichts. Es ist auch egal, ob man auch mal in einer Sackgasse landet, den falschen Weg gewählt hat, so wie mir passiert ist. Wichtig allein ist, niemals aufzugeben und das allein habe ich durch Simon gelernt.

Habe ich wirklich mal ein Leben voller Leichtigkeit und Glück geführt? Es scheint, als wäre dieses schon Jahrzehnte her und doch sind es erst 3 Jahre. Ein Blitz ist durch die Zeit gefahren und hat sie durchtrennt. Die Zeit mit Simon und die Zeit ohne ihn.


Ich fühle mich so viel älter, als ich es bin.


Nach dem Tod von Simon blieb eine Ruine und aus dieser versuche ich etwas Neues zu bauen. Ich sammle Bausteine … es ist wichtig, Bausteine zu sammeln, sie zu drehen und zu wenden. Viele Bausteine werden benötigt und ebenso viele Zulieferer, doch die sind selten geworden.
Viele Menschen in meinem Umfeld wissen nicht, dass sie Zulieferer sein könnten. Auch kleine Bausteine sind wichtig für einen Neuaufbau. Manchmal müssen auch erneut Risse hingenommen werden, weil in unserem Umfeld davon ausgegangen wird, dass Tod und Trauer um unser totes Kind endgültig abgeschlossen zu sein hat.


Mein Schmerz ist sanfter geworden oder habe ich mich inzwischen so sehr an diesen Dauerschmerz gewöhnt, dass ich es gar nicht mehr anders kenne?

Auch heute gibt es Momente, an denen alles so unwirklich ist und ich mir klar machen muss, dass Du wirklich nie wieder kommst. Ich versuche immer wieder, mich gegen dunkle Hoffnungslosigkeit zu wehren.

Du hast so eine große Leere hinterlassen und ich leide an der Zerrissenheit meines Lebens, alle Tränen sind Tränen der Liebe, der Sehnsucht, aber auch der Hoffnung, in dem Glauben an die Unzerstörbarkeit des Lebens.

Im Kreise von betroffenen Eltern fällt es mir wieder leicht, ausgelassen, albern und fröhlich zu sein. Hier denkt niemand: „Schau, sie lacht ja wieder, dann geht es ihr ja endlich wieder gut“. Hier schaut auch niemand komisch, wenn im nächsten Moment die Tränen laufen. Jede Freude hat auch eine andere Seite, es wird nie wieder das gleiche Glück von früher sein.

Nichts ist mehr selbstverständlich, auch nicht, dass einige wunderbare Menschen mich auf meinem Weg begleiten.


Du bist immer noch ein Teil unserer Familie, bei allem dabei, wenn auch für uns nicht mehr sichtbar. Aber es bringt mich manchmal um den Verstand, Dich nicht mehr zu spüren. Ich vermisse Dein Lachen, Deine Zärtlichkeit, Deine strahlenden Augen und Deine ansteckende Lebenslust.


Die Liebe hat sich gewandelt,

sie ist nun unendlich zart

und doch stark,

still,

dennoch voller Lebendigkeit,

fern

aber in jedem Augenblick gegenwärtig

sie ist geheimnisvoll

und doch ganz klar

rein und frei von allen Dingen dieser Welt.

Nun ist sie daheim

In der Geborgenheit des Herzens,

im Schutze der Erinnerungen,

unantastbar,

unbesiegbar,

unverlierbar

(Petra Fuchs)


Du fehlst uns allen unendlich. Wie gerne würden wir ein Leben mit Dir an unserer Seite leben, unsere gemeinsamen Träume verwirklichen.

Ich bin jetzt gern allein. Ich brauche diese einsamen stillen Stunden, um Dir ganz nahe zu sein, um meine Gedanken zu ordnen, um meinen Tränen freien Lauf zu lassen und um zur Ruhe zu kommen. So schaffe ich es meistens, dass in mir langsam eine ganz tiefe Dankbarkeit wächst, dass ich 13 Jahre mit Dir haben durfte. Und ich verspreche Dir Simon, dass ich auch im Jahr 4 weiterkämpfe, nicht aufgebe!


Ich liebe Dich - ohne Anfang und ohne Ende.

Ich trage Dich in mir, bis wir uns wieder treffen.


In Liebe Deine Mama, denn du bist der Wind in meinen Flügeln





(c) 2008 Claudia Staemmler, in Anlehnung an Marion Mama von Jessica

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Donnerstag, 2. Oktober 2008 

Kein Zurück

Wie knüpft man an, an ein früheres Leben!
Wie macht man Weiter.
Wenn man tief im Herzen zu verstehen beginnt,
das man nicht mehr zurück kann.
Manche Dinge kann auch die Zeit nicht heilen,
manchen Schmerz der zu tief sitzt und einen fest umklammert...

(Frodo - The Return of the King)

Kein Zurück
Diese Worte von Frodo im Film "Die Rückkehr des Königs" haben mich tief berührt, denn diese Frage habe ich mir in den letzten Monaten oft selber gestellt. Wie knüpft man an eine Vergangenheit an, die so voller Schmerz, voller Verzweiflung und voller Emotionen war und die man nun Stück für Stück betrachte, gedreht und gewendet, katalogisiert und in Schubladen gepackt hat? Wie knüpft man an etwas an, zu dem man die Verbindungen verloren hat, weil es so unwiederbringlich vorbei ist.
Es gibt kein Zurück - nie mehr. Ich bin gewachsen, unter Schmerzen. Nun heißt es, sich umzudrehen, vorwärts zu blicken, die Tage nehmen, wie sie mir geschenkt werden.
Ja, es gibt kein Zurück und doch bleibt die Vergangenheit wie ein Schatten bei uns. Und ein tiefer, tiefer Schmerz in unserem Herzen erzählt uns davon, aus welcher Dunkelheit wir einst geboren worden sind ...

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  • SIMON, dear-son
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